Wirkt Telbivudin doch auch gegen HIV?

Montreal, 10. Februar 2009

Bisher ging man davon aus, dass das Nukleosid Telbivudin keine Aktivität gegen HIV hat. Nun wurde bei einem HIV/HBV-koinfizierten Patienten unter Telbivudin ein Abfall der Viruslast bis unter die Nachweisgrenze beobachtet.

Bei dem therapienaiven 45jährigen HIV-Patienten mit chronischer Hepatitis B wurde im Februar 2006 ein Anstieg der HBV-DNA von 8.000 auf 33.600.000 Kopien/ml sowie ein Reversion zu positivem HbeAg und negativen HBeAk beobachtet. Die HIV-Viruslast lag zu diesem Zeitpunkt bei 14.000 Kopien/ml, die CD4-Zellen bei 613/µl.

Im Januar 2008 wurde wegen einer Verschlechterung im Fibroscan eine HBV-Therapie mit Telbivudin und Adefovir eingeleitet. Die HBV-DNA fiel innerhalb von zwei Monaten von 662.000.000 Kopien/ml auf 2.780 Kopien/ml. Gleichzeitig sank auch die HIV-Viruslast ohne HAART auf <50 Kopien/ml ab. Bei der nächsten Messung nach vier Wochen lag die HIV-Viruslast erneut unter der Nachweisgrenze. 5 Monate später, als Telbivudin abgesetzt wurde, war sie auf 127 Kopien/ml angestiegen. Nach Absetzen von Telbivudin kam es zu einem weiteren Anstieg der HIV-Viruslast auf 3.900 Kopien/ml. Drei Monate später wurde nach Absprache mit dem Patienten Telbivudin erneut angesetzt und die HIV-Viruslast sank innerhalb von einer Woche auf 177 und nach 2 Wochen auf 71 Kopien/ml. Telbivudin wurde abgesetzt und der Patient allein mit Adefovir weiterbehandelt. Die Autoren schließen daraus, dass Telbivudin gegen HIV wirksam ist und nicht ohne HAART bei HIV/HBV-Koinfizierten eingesetzt werden sollte.

In vitro-Studien des Herstellers von Telbivudin Novartis konnten dagegen bislang keine Aktivität der Substanz gegen HIV feststellen und zwar weder gegen Wildtyp noch gegen resistente Viren. (Anm. Information aus Abstraktband, Poster 813b war nicht aufgehängt).



DAIG LogoDGI LogoDSTIG LogoPEG Logo

Meldungen

  • Malaria

    17. September 2026: Verdacht auf autochtone Übertragung in Frankfurt weiter

  • Antimikrobielle Resistenz

    16. September 2026: Antibiotikaverbrauch in Krankenhäuser unverändert weiter

  • Phagen

    16. September 2026: Prävention mit Phagen weiter

  • Infektionsgeschehen

    15. September 2026: Aktuell in Deutschland weiter

  • Newletter online

    Jeden Monat akutelle Informationen rund ums Thema HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen.

    Für Ärzt_innen, Menschen mit HIV und alle Interessierten.

    Anmeldung hier

  • Epi Alert

    15. September 2026: Aktuelle Ausbrüche weltweit weiter

  • Staphylokokken Bakteriämie

    15. September 2026: Neue Empfehlungen von IDSA und ESCMID weiter

  • Legionellose

    09. September 2026: Starker Anstieg in den USA weiter

  • Erektile Dysfunktion

    09. September 2026: Stress am Arbeitsplatz ist schlecht für die Erektion weiter

  • Männermedizin

    09. September 2026: Männliche Schönheit ist anders verteilt weiter

  • HIV

    09. September 2026: Humboldt-Universität zu Berlin eröffnet Aids-Archiv weiter

  • Influenza

    08. September 2026: Neuer Impfstoff Aujemflu® zugelassen weiter

  • Ernährung

    08. September 2026: Biodiversitäts-Fußabdruck der Hohenheimer Mensa weiter

  • Tierwohl

    08. September 2026: Forschungsbasierter Leitfaden für Garnelenzucht weiter

  • Impfen

    07. September 2026: G-BA übernimmt STIKO Empfehlungen zur COVID-19-Impfung weiter

  • Männermedizin

    07. September 2026: Erhöhtes Risiko für Haarverlust unter GLP-1 Agonisten weiter

Ältere Meldungen weiter

Diese Website bietet aktuelle Informationen zu HIV/Aids sowie zur HIV/HCV-Koinfektion. Im Mittelpunkt stehen HIV-Test, Symptome und Auswirkungen der HIV-Infektion, Behandlung der HIV-Infektion, HIV-Medikamente mit Nebenwirkungen und Komplikationen, Aids, Hepatitis B und C. Ein Verzeichnis der Ärzte mit Schwerpunkt HIV ergänzt das Angebot.