Neue Substanzen

San Francisco, 17. 2. 2010

Von Siegfried Schwarze, München

Ganz allgemein geht der Trend weg von den „klassischen“ Medikamentenklassen nRTI, NNRTI und Proteasehemmer hin zu neuen Substanzklassen, vor allem zu Hemmstoffen der Integrations-, Enty - und Maturationsprozesse.

LEDGIN

Dabei handelt es sich um Inhibitoren des Faktors zellulären Faktors LEDGF, der u.a. die virale RNA an die zelluläre DNA und die Integrase bindet und somit den Integrationsprozess initiiert. Die LEDGIN sind derzeit eine Gruppe von Substanzen, die für den klinischen Einsatz noch nicht infrage kommen, da sie erst noch optimiert werden müssen. Sie haben aber keine Kreuzresistenz mit den bisher bekannten Integrasehemmer und kommen vielleicht als „Integrasehemmer der x. Generation“ in Betracht.

TBR-652

Ein CCR5-Antagonist des kleinen Startup-Unternehmens Tobira (derzeit 8 Angestellte, der CEO kommt von Roche), der sich durch einige interessante Eigenschaften auszeichnet:

  • Lange Halbwertszeit, ermöglicht einmal tägliche Dosierung
  • Weder Hemmung noch Induktion von CYP Enzymen
  • Abbau über dualen Mechanismus (sowohl CYP als auch non-CYP)
  • Hemmt gleichzeitig CCR2, was eine anti-entzündliche Wirkung bedeuten könnte
  • In einer Phase-I-Studie zeigte sich dosisabhängig eine mediane Viruslastsenkung von bis zu 1,8 log nach 10 Tagen Monotherapie
TBR-652 Viral Dynamics
Erste Daten zur Wirksamkeit von TBR-652 von Tobira.

Kapsid Assembly- Inhibitor

Pech hatte das Unternehmen Boehringer Ingelheim. Die Firma hatte eine komplett neue Wirkstoffklasse in Entwicklung, nämlich „capsid assembly inhibitors“. Diese sahen zunächst vielversprechend aus, da keine Kreuzresistenzen mit den bekannten Wirkstoffklassen bestanden und es scheinbar auch keine schnelle Resistenzentwicklung gab. Leider wurde die Entwicklung wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten eingestellt.

Integrasehemmer S/GSK1349572

Der Integrasehemmer S/GSK1349572 von Shionogi / GSK (bzw. neuerdings ViiV) soll sich in vier Bereichen von den Mitbewerbern abheben:

  • Geringe Substanzbelastung, keine Boosterung notwendig
  • Einmal tägliche Dosierung
  • Abweichendes Resistenzprofil von den bisherigen Integrasehemmern
  • Hohe Resistenzbarriere

Zusammen mit der hohen Wirksamkeit (2,5 log Senkung der Viruslast nach 10 Tagen Monotherapie) und einer –hoffentlich- guten Verträglichkeit könnte diese Substanz sicherlich eine willkommene Bereicherung des Therapiearsenals werden.


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