Sexuell übertragbare Infektionen
DoxyVac: Doxyclin-PEP und Meningitis-Impfung schützen vor STI

Seattle, 21.02.2023

Die Einnahme von 200 mg Doxycyclin 24-72 Stunden nach kondomlosem Sex vermindert die Rate von Chlamydien und Syphilis um 88% bzw. 87%, die Rate von Gonorrhoe um 51% unabhängig von der Impfung gegen Meningitis B. Die Meningitis B-Impfung allein hatte auch einen - im Vergleich zu Doxycyclin – mit 33% geringeren protektiven Effekt und beide Schutzmaßnahmen addieren sich.

Ausgewertet wurden die Daten von 502 Teilnehmer der Studie DoxyVac. Alle Männer nahmen PrEP, 92 wurden nur gegen Meningitis B geimpft, jeweils 181 hatten Doxycyclin allein oder Doxycyclin+Impfung und 92 weder Impfung noch Antibiotikum. In der statischen Analyse wurden die Daten von 332 Männern mit vs 179 ohne Doxy-PEP sowie 257 mit vs 245 ohne Impfung verglichen.

Die Teilnehmer hatten im Schnitt 10 Sex-Partner in den letzten drei Monaten, fünfmal kondomlosen Sex im vergangenen Monat und eine hohe Rate an STI im letzten Jahr.

Geimpft gegen Meningitis B wurde zu Beginn der Studie und zwei Monate später. Doxycyclin 200 mg sollte möglichst innerhalb von 24 Stunden spätestens 72 Stunden nach dem Sex eingenommen werden.

Ergebnisse

83% der sexuellen Kontakte wurden mit Doxy-PEP abgedeckt, die Tabletten durchschnittlich 27 Stunden nach dem Sex eingenommen.

Im Lauf von 9 Monaten verminderte die Doxy-PEP die Rate an Chlamydien- (um 89%) , an Syphilis- (um 79%) und an Gonokokken- (um 41%) Infektionen signifikant, wobei der Effekt unabhängig von der Meningokokken-Impfung war und bei Rachen-Gonokokken nicht nachweisbar war. Der Einfluss auf Mykoplasmen-Infektionen war gering.

Die Meningokokken-Impfung allein verminderte die STI-Rate um 33% insgesamt, eine Analyse der einzelnen Infektionen war aufgrund der geringen Fallzahl nicht möglich.

Resistenzentwicklung

In Frankreich geht man von ca 70% Tetrazyklin-resistenten Gonokokken aus, wobei hochresistente Stämme eher selten sind. Hochresistenten Keime sprechen vermutlich weniger auf die Doxy-PEP an. Die fehlende Wirksamkeit der Doxy-PEP bei cisgender Frauen in Kenia beispielsweise wurde unter anderem auf den höheren Anteil hochresistenter Gonokokken in dieser Population zurückgeführt.

Im der Studie fand sich unter der Antibiose eine leichte Zunahme von hochresistenten Gonokokken. Die Besiedelung mit Staph. aureus wurde um 14% vermindert und die Resistenzrate bei diesem Keim nahm um 8% zu. Bei den nicht pathogenen Neisserien waren initial zwei Drittel gegen Tetrazykline resistent; es wurde keine Zunahme beobachtet.

Aktuell sehen Jean-Michel Molina und Anne Leukemeyer kein relevantes Resistenzproblem, allerdings sollte man die weitere Entwicklung der Resistenzlage beobachten. Mit einer Zunahme von Resistenz sowohl quantitativ als auch qualitativ sei zu rechnen, die Bilanz könne jedoch aufgrund der durch die DoxyPEP verminderten Gonorrhoe-Prävalenz positiv ausfallen. Eine Resistenzentwicklung beim Syphilis-Erreger T. pallidum und Chlamydien sei nicht zu befürchten, meinen die Autoren.


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