Siegfried Schwarze
Panel Discussion: What lies ahed?

Washington DC, 23.7. 2011

Manchmal ist es ganz erfrischend, nicht einer endlosen Folge von PowerPoint Bildern folgen zu müssen, sondern lebendigen Menschen zuhören zu können. Oftmals erfährt man in solchen Veranstaltungen auch Informationen „zwischen den Zeilen“, die die Diskutanten so nie in einer Präsentation preisgeben würden.

In einer dieser Podiumsdiskussionen tauschten sich namhafte Wissenschaftler (D. Averitt-Bridge, USA; J. Eron, USA; A. Kamarulzaman, Malaysia; P. Musoke, Uganda; R. Siliciano, USA) über die Herausforderungen der kommenden Jahre aus. Der Übersichtlichkeit halber soll die Diskussion hier nur in Stichworten zusammengefasst werden:

  • Neue Prioritäten (Armut, soziale Situation, Alter)
  • Hunderte neuer Impfstoffkandidaten, neue Hoffnung für neutralisierende Antikörper („Phönix aus der Asche“)
  • „Heilung“: Der „Berliner Patient“ Timothy Brown gilt zumindest als „funktionell geheilt“, die Diskussion geht allerdings weiter, ob im Berliner Patienten noch Virus bzw. Hinweise auf möglicherweise verstecktes Virus zu finden sind.
    • Möglicherweise war nicht nur die Knochenmarkstransplantation sondern auch die GvH-Reaktion (Abwehrreaktion des „neuen“ Immunsystems gegen den Körper des Empfängers und damit auch gegen übrig gebliebene, HIV-infizierte Zellen) für den Erfolg verantwortlich.
    • Was heißt eigentlich „geheilt“, bzw. wie messen wir es? Hier bestehen noch große Unklarheiten und die Wissenschaftler diskutieren noch die beste Methodik.
  • Uganda: Größte Herausforderung: Der politische Wille. Das Wissen und z.T. auch die Medikamente wären vorhanden. Was fehlt, ist der politische Wille auch die Infrastruktur und die Logistik zur Verfügung zu stellen. Früher: freiwillige Testung der Schwangeren (Akzeptanz bei etwa 65-70%). Heute: Opt-out, d.h. der Test wird als Standard durchgeführt und man muss ihn aktiv ablehnen, wenn man ihn nicht will (Akzeptanz bei > 95%). Bei positivem Befund wird die Schwangere mit Dreifachtherapie behandelt.
  • Neue Medikamente, neue Formulierungen (mit langer Wirkdauer, evtl. über Monate), PrEP
    • Herausforderung: Immunaktivierung trotz Virussuppression
    • Wie bindet man Patienten so dass sowohl Adhärenz als auch medizinische Überwachung gewährleistet sind?
    • Langwirksame Substanzen als Option für Therapie und PrEP (neben der Rilpivirin-Nanosuspension gibt es auch einen neuen Integrasehemmer von viiv in einer speziellen Formulierung  mit einer Halbwertszeit von 21-50 Tagen.)
  • Resistenz: initiales Therapieversagen ist selten, auch wenn Resistenzmutationen vorliegen
  • ivDU: Auch hier das Problem, Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung umzusetzen in politisches Handeln. Möglicherweise nützt ein Hinweis auf die vergeudete Arbeitskraft. In einigen Ländern kann es helfen, auch religiöse Kräfte mit an Bord zu nehmen.  Selbst wenn die Politik einsichtig ist, dauert es oft Jahre, bis die Exekutive es umsetzt (z.B. die Polizei mit der Verfolgung und Misshandlung von Drogengebrauchern aufhört)
  • Impfstoffentwicklung: Was haben wir von RV144 gelernt?
    • Frühzeitige Analyse der Daten um bessere, neue Impfstoffkandidaten früh ins Rennen schicken zu können.
    • Wir verstehen jetzt besser, was einen Schutz bewirken kann und was nicht.
  • Zellen aus der Latenz zu reißen, reicht vermutlich nicht aus. Es braucht wohl eine verstärkte Immunabwehr, um diese Zellen letztendlich zu beseitigen. Hier besteht ein weiteres Anwendungsgebiet für therapeutische Impfstoffe.
  • Therapieaktivismus hat neuen Anschub durch die Diskussion um die „Heilung“ erhalten, aber wo ist die nächste Generation von Therapieaktivisten?
  • Grundlagenforscher unterscheiden oft nicht zwischen Behandlung und Prävention, weil inzwischen den meisten klar ist, dass das eine wohl auch für das andere hilft.
  • Immer noch unklar (und dringender Klärungsbedarf!): „Exposed uninfected“: Infizieren sich diese Menschen und können die Infektion ausheilen oder haben sie tatsächlich einen Schutz vor der Infektion oder haben sie einfach nur Glück gehabt?
  • Revolution der Behandlung für HCV-Koinfizierte durch neue Wirkstoffe – vielleicht bald auch ohne Ribavirin und Interferon.
  • Älter werden mit HIV: Mehrere unterschiedliche Fragestellungen:      
    • Wie behandelt man alternde HIV-Patienten optimal?
    • Wechselwirkt HIV mit dem Alterungsprozess?
    • Wie verhindert man HIV-Infektionen im höheren Lebensalter?
  • Immunaktivierung: warum haben einige erfolgreich Behandelte immer noch eine stark erhöhte Immunaktivierung und Entzündungsreaktion?
  • Ein Problem für die Forschung: Durch die „Test-and-treat“-Kampagnen wird es immer schwerer, Long-Term-Non-Progressors oder Elite-Controllers zu identifizieren.
  • Nicht nur CD4-Zellen beherbergen latentes HIV, sonder auch Makrophagen (und möglicherweise noch weitere Zellpopulationen)


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