HIV-Generika
Warum alle 3 Monate andere Pillen?

08. Februar 2019

Mittlerweile hat man sich daran gewöhnt, dass es man anstatt des Orginalpräparates ein Generikum bekommt. Die Inhaltsstoffe sind ja schließlich die gleichen. Doch warum sehen die Pillen dann immer wieder anders aus? Kann man das vermeiden? hat bei Ludwig Meyer von der Wittelsbacher Apotheke in München nachgefragt.

Apotheker Ludwig Meyer, Wittelsbacher Apotheke MünchenInterview mit
Apotheker Ludwig Meyer,
Wittelsbacher Apotheke München

Die meisten HIV-Patienten sind damit einverstanden, ein generisches Medikament anstatt ihr gewohntes Orginalpräparat einzunehmen. Viele klagen aber darüber, dass die Tabletten alle 3 Monate anders aussehen. Warum gibt der Apotheker alle drei Monate ein anderes Präparat ab?

Herr Meyer: (lacht) Das ist jedenfalls nicht so, weil wir die Medikamente nach Lust und Laune auswählen. Hintergrund sind Vorgaben der Krankenkassen, die dadurch Geld sparen wollen.

Bei dem HIV-Medikament „Truvada®“ war das beispielsweise so: Als das Patent von Truvada® ablief, gab es von den Krankenkassen zunächst sogenannte Open House-Verträge. Jeder Generikahersteller konnte da teilnehmen, also standen alle Generika zur Abgabe zur Verfügung. Ich mußte also eines dieser Generika abgeben. Wenig später nahm auch der Hersteller des Orginalpräparates an diesem Vertrag teil. Somit konnte ich, wenn der Patienten sagte „Ich will aber mein Truvada®“ auch das Orginal abgeben.

Gleichzeitig haben die Krankenkassen im Hintergrund exklusive Rabattverträge ausgehandelt. Das heißt, der Apotheker darf mittlerweile nur das Generikum des einen Herstellers abgeben, mit dem die Krankenkasse des Patienten einen Vertrag hat. Und schon taucht das nächste Problem auf: Der Hersteller konnte aufgrund der hohen Nachfrage nicht liefern und ich musste wieder ein anderes Präparat abgeben. Nach wiederum drei Monaten hat der Hersteller geliefert und der Patient erhält eben wieder ein für ihn neues Präparat.

Viele Patienten haben diese Erfahrung gemacht und bestehen mittlerweile darauf, egal welches, aber immer das gleiche Generikum zu bekommen. Was tun?

Herr Meyer: Als Apotheker darf ich nur das Medikament abgeben, das im exklusiven Rabattvertrag der Krankenkasse vorgesehen ist – sofern lieferbar. Der Apotheker kann nur eine Ausnahme machen bei „pharmazeutischen Bedenken“ wenn z.B. bei älteren Patienten mit Polypharmazie der Therapieerfolg oder die Arzneimittelsicherheit durch Non-Compliance gefährdet ist.

Der Arzt kann den Austausch mit einem „aut idem“-Kreuz verhindern. Das ist möglich, wenn triftige „medizinische Gründe“ vorliegen, also eine Unverträglichkeit oder vielleicht auch eine schlechtere Compliance. Doch auch Arzt_Ärztin unterliegen hier den Zwängen der Krankenkassen. Wird zu häufig ein „aut idem“-Kreuz gemacht, kann es passieren, dass die Kasse die Kosten für das Medikament dem Verschreibenden vom Honorar abzieht.

Bei der PrEP gibt es ja mittlerweile auch verschiedene Anbieter. Wie sieht es da aus?

Herr Meyer: Die Zahl der PrEP hat bisher kontinuierlich zugenommen und ist heute fester Bestandteil in unserem Apothekenalltag. Jeden Tag kommen neue Bestellungen rein. Anfangs waren es Monatsrezepte, mittlerweile sind es vor allem 3-Monats-Rezepte, die fast ausschließlich von HIV-Schwerpunktärzt_innen stammen. Nachdem man die PrEP selbst bezahlen muss, kann der Patient auswählen, welches Präparat er möchte. In unserer Schwerpunkt-Apotheke dominiert ganz klar die verblisterte PrEP von HEXAL, die ja auch preislich am günstigsten ist.


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