Interview mit Kongresspräsident Prof. Heribert Stoiber, Innsbruck
Begegnen, Verstehen, Bewegen

DOÄK 2013  12 - 15 Juni in Innsbruck
12 - 15 Juni in Innsbruck

Der DÖAK wird diesmal in Innsbruck stattfinden und auf der Webseite wird man von einem schönen Alpenpanorama begrüßt. Wird dies ein österreichisch geprägter Kongress, ein ÖDAK?

Prof. Stoiber: (lacht) Es ist und bleibt der DÖAK. Die Deutschen Kollegen haben großes Gewicht, aber das entspricht auch den Verhältnissen, d.h. den Patienten- und Ärztezahlen in beiden Ländern. Dennoch kommen wir uns als Österreicher keineswegs verloren vor. Wir planen den Kongress gemeinsam.

Hat sich die Struktur geändert?

Prof. Stoiber: Die Struktur des DÖAK hat sich in den vergangenen Jahren gut bewährt und deshalb wird sie auch beibehalten. Eine Neuerung gibt es aber doch: Wir wollen mehr Raum für Diskussionen anbieten und dabei auch das Publikum einbeziehen. Und auch die Öffentlichkeit soll stärker angesprochen werden.

Welche Öffentlichkeit meinen Sie hier?

Kurzportrait Prof. Heribert Stoiber

Heribert Stoiber ist gebürtiger Bayer. Er studierte 1983-1991 in Regensburg und Innsbruck Chemie und Biochemie und interessierte sich bereits seit der Entdeckung von HIV für dieses Virus. Er ist in der Grundlagenforschung am Institut für Virologie der Universität Innsbruck tätig. Im Zentrum seines Interesses steht die Interaktion von Retroviren mit Komponenten der angeborenen Immunität und deren Auswirkungen auf die erworbene Immunität. Er hat über 90 Arbeiten publiziert und zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Prof. Heribert Stoiber

Sektion für Virologie
Department für Hygiene,
Mikrobiologie, Sozialmedizin
Medizinische Universität IBK
Peter-Mayr-Straße 4b
A-6020 Innsbruck
heribert.stoiber@i-med.ac.at

Prof. Stoiber: Wir wollen den Kongress in die Stadt tragen und einige Bereiche der Tagung frei zugänglich machen ohne Registrierung. Dabei haben wir neben Betroffenen und Organisationen, insbesondere Schulen und Jugendliche im Auge. Hier wollen wir präventiv aktiv werden.

Das Motto des DÖAK 2013 lautet: Begegnen, Verstehen, Bewegen. Was wollen Sie bewegen?

Prof. Stoiber: Die Menschen sollen zum Nach-Denken bewegt werden. Aber nicht nur das. Wir wollen auch körperlich bewegen. Deshalb planen wir eine Art Wanderung mit verschiedenen Stationen zu HIV und Aids. Dort sollen unter anderem Betroffene stehen und Fragen beantworten. Das verbindet Bewegung und Begegnung.

Das wird aber kein Kreuzgang, oder?

Prof. Stoiber: (lacht) Wir sind zwar im katholischen Tirol, aber unser Thema ist HIV und Aids. Das verursacht immer noch viel Leid und Probleme, doch am Ende steht nicht der Tod, sondern das Leben mit HIV.

Welche Highlights wird es geben? Was sollte man nicht verpassen?

Prof. Stoiber: Der ganze Kongress ist interessant. Es ist für jeden etwas dabei, vom Grundlagenforscher, über den Behandler bis hin zu den Betroffenen. Die Schwerpunkte sind in diesem Jahr Latenz und Heilung, Therapie und Prävention. Das Thema Altern, das bei den vorigen Tagungen ein Schwerpunkt war, wird auch in Innsbruck ein wichtiges Thema sein, ebenso wie die im Ansteigen begriffenen sexuell übertragbaren Koinfektionen. Die chronische Hepatitis C mit den neuen Therapiemöglichkeiten ist ebenfalls ein wichtiges Anliegen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Community?

Prof. Stoiber: Die Community ist bei diesem Kongress von Anfang an dabei. Wir haben schon in Hannover die ersten Gespräche geführt und den Dialog kontinuierlich fortgesetzt. Sicherlich gibt es hier und da mal Differenzen, aber bislang konnten wir uns immer zu beider Zufriedenheit einigen. Die Community unterstützt unsere Schwerpunktthemen und hat selbst noch einige Schwerpunkte gesetzt, wie Stigmatisierung, Kriminalisierung und Migration.

Wird es kulturelle Highlights geben?

Prof. Stoiber: Das ist noch im Entstehen. Wir planen einen Kinoschwerpunkt HIV/Aids. Dort soll aber nicht nur Aufklärungsarbeit gemacht werden, sondern es sollen auch Filme zum Thema Homosexualität allgemein gezeigt werden. Es soll Aktionskunst in der Stadt geben. Ein Gesellschaftsabend im herkömmlichen Sinn ist nicht geplant, sondern ein „Social Event“. Wir denken an ein Open Air-Konzert, das frei zugänglich sein soll. Es soll zeigen, dass das Leben mit HIV auch eine gewisse Normalität hat.

Dann haben Sie das gute Wetter gleich mitgebucht?

Prof. Stoiber: (lacht) Wenn wir etwas machen, ist das Wetter immer gut.

Vielen Dank für das Gespräch

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