HIV/HCV-Koinfektion
Amerikanische Empfehlungen

In den USA hat die IAS-USA gemeinsam mit den Fachgesellschaften der Hepatologen (AASLD) und Infektiologen (IDSA) Empfehlungen zur Behandlung der HIV/HCV-Koinfektion erstellt.

Die Datenlage zur Therapie der HIV/HCV-Koinfektion mit den neuen direkt antiviralen Medikamenten ist im Vergleich zu HCV-Monoinfizierten vergleichsweise dünn. Es gibt nur wenige Studien und einige davon mit kleinen
Patientenzahlen. Angesichts der klinischen Bedeutung der neuen Therapieoptionen sind solche Empfehlungen notwendig und hilfreich.

Die vorliegenden amerikanischen Empfehlungen wurden nach der Zulassung des Nukleotids Sofosbuvir und des HCV-Proteasehemmers Simeprevir (letzterer derzeit nur in den USA zugelassen) publiziert. Nicht berücksichtigt wurden dabei die zukünftigen Optionen der HCV-Therapie und auch nicht die brennende Frage, wer jetzt behandelt werden sollte und bei wem man auf weitere Medikamente warten sollte.

Genotyp
1a und b
  • Therapienaive und Relapser
    Sofosbuvir/Ribavirin/pegInterferon 12 Wochen Alternative: Simeprevir/Ribavirin/pegInterferon 24 Wochen (Nicht für GT1a mit Q80K)
  • Therapienaive und Relapser mit Interferon-Unverträglichkeit
    Sofosbuvir/Ribavirin 24 Wochen oder Sofosbuvir/Simeprevir mit/ohne Ribavirin 12 Wochen (Nicht für GT1a mit Q80K) Alternative: Keine
  • Nonresponder auf PegInterferon/Ribavirin
    Sofosbuvir/Simeprevir mit/ohne Ribavirin 12 Wochen (Nicht für GT1a mit Q80K) Alternative bei Interferon-Verträglichkeit: Sofosbuvir/Ribavirin/pegInterferon 12 Wochen Alternative bei Interferon-Unverträglichkeit: Sofosvbuvir/Ribavirin 24 Wochen
  • Nonreponder auf Boceprevir/Telaprevir-basierte Tripletherapie
    Wie HCV-Monoinfizierte
Genotyp
2 und 3
  • Therapienaive und Relapser
    ofosbuvir/Ribavirin 12 Wochen Alternative: Keine
  • Nonresponder und Leberzirrhose
    Sofosbuvir/Ribavirin ggf. 16 Wochen Alternative bei Interferon-Verträglichkeit: Sofosbuvir/Ribavirin/pegInterferon 12 Wochen
Genotyp
4, 5 und 6
  • Wie HCV-Monoinfizierte
    Alternative: Keine
HCV-Rezidiv nach Lebertrans-plantation
  • Therapienaive mit kompensierter Zirrhose (einschließlich hepatozelluläres Karzinom)
    Gleiche Therapie wie ohne Zirrhose
  • Dekompensierte Zirrhose (moderate bis schwere Leber-funktionsstörung; CTP B oder C, einschließlich hepatozel-luläres Karzinom) zur Transplantation gelistet oder nicht
    Sofosbuvir/Ribavirin bis zu 48 Wochen
  • Therapienaive Genotyp 1 (inklusive kompensierte Zirrhose)
    Sofosbuvir/Simeprevir mit/ohne Ribavirin 12-24 Wochen (Nicht für GT1a mit Q80K) Alternative:Sofosbuvir/Ribavirin mit/ohne pegInterferon 24 Wochen
  • Therapienaive Genotyp 2 und 3 (inklusive kompensierte Zirrhose)
    Sofosbuvir/Ribavirin 24 Wochen
  • Therapienaive mit dekompensierter Zirrhose
    Gleiche Therapie wie Dekompensation ohne Transplantation

Keine Option

Die Boceprevir/Telaprevir-basierte Tripletherapie wird in keiner Situation mehr empfohlen.

Interaktionen mit ART

Bei Sofosbuvir sind außer einer Interaktion mit Tipranavir keine relevanten Wechselwirkungen mit antiretroviralen Substanzen bekannt.

Simeprevir kann nur gemeinsam mit Raltegravir, Rilpivirin, Maraviroc, Enfuvirtid, Tenofovir, Emtricitabine, Lamivudin und Abacavir eingesetzt werden.

Niereninsuffizienz

Bei milder bis moderater Nierenfunktionsstörung (CrCL >30 ml/Min) ist keine Dosisanpassung von Sofosbuvir notwendig. Bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz (CrCL <30/Min) oder Dialyse wird Sofosbuvir nicht empfohlen, da derzeit keine Daten zu dieser Situation vorliegen. Gleiches gilt für Simeprevir. 

Post-Transplant

Zu Simeprevir liegen keine Daten bei Transplantierten vor. Interaktionsstudien zeigen jedoch keine Wechselwirkung mit Calcineurininhibitoren.

Ribavirin sollte bei Transplantierten vorsichtig dosiert werden. Die initiale Dosis beträgt 600 mg/d und wird bei Verträglichkeit monatlich um 200 mg/d bis 1.000 bzw. 1.200 mg/d gesteigert.



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