Streiflicht
Frust (und Lust) des niedergelassenen Arztes

Aaaaargh!!!
@fotolia

Wer kennt das nicht? Privatpatient im letzten halben Jahr nicht in der Praxis gewesen, möchte aber eine Überweisung zum Orthopäden mit dem Datum von vor drei Monaten, weil er über Hausarztmodell versichert ist. Rückenschmerzen hatte er bei den vorherigen Terminen nicht erwähnt. Oder die Patientin, die direkt vom Arbeitsamt in die Praxis kommt. Die Sachbearbeiterin habe ihr gesagt, sie brauche ein Attest vom Arzt, dass sie ihren Arbeitsplatz aus medizinische Gründen gekündigt hat, sonst bekomme sie drei Monate kein Arbeitslosengeld. Nicht erwähnenswert, dass sie solche Probleme im letzten Jahr nie angesprochen hat. Oder der HIV-Patient, der die Ernährungszulage braucht, obwohl er im letzten halben Jahr 10 kg zugenommen hat. Oder die Bescheinigung für den Rentenantrag, die Umschulung, die Wohnung, das Sportstudio und so weiter und so fort.

Sozialleistung auf Attest

Und wer hat das nicht schon erlebt?

Gleiche Diagnose, Angestellter fühlt sich drei Wochen nicht arbeitsfähig, Selbständiger muss unbedingt nach drei Tagen wieder arbeiten. Manchmal hat man das Gefühl mit ärztlichen Attesten lässt sich in Deutschland jeder soziale Vorteil erreichen. Die Schere zwischen objektiv nachweisbarer und subjektiv gefühlter Einschränkung klafft manchmal doch weit auseinander. In diesem Spannungsfeld steht der Arzt täglich. Auf der einen Seite „Anwalt“ des Patienten, auf der anderen Seite als Vertragsarzt verantwortungsvoller „Verwalter“ von öffentlichen Gelder. Welche Seite man hier einnimmt, wird vom Selbstbild und dem eigenen Gewissen bestimmt und manchmal – ich gebe es ehrlich zu – von der Kraft, Konflikte mit der Anspruchshaltung des Patienten auszutragen.

Hier ein Tipp von meinem Kollegen, der in solch einer Situation einen Patienten fragte: „Würden Sie in Ihrem Beruf ein solches Attest ausstellen?“. Die Antwort nach einigem Zögern: „Nein“. Damit war die Situation geklärt und er konnte sich den erfreulichen Seiten des Arztberufes zuwenden, den relevanten medizinischen Problemen.



Nachruf

Werner WieselWerner Wiesel, Köln

Werner Wiesel ist am 15.01.2017 im Alter von 64 Jahren gestorben. Er gehört zu den ersten, die in Köln eine HIV-Schwerpunktpraxis gegründet haben. So war er mehr als 20 Jahre lang unermüdlich mit dem Kampf gegen die HIV-Infektion befasst. Wir haben ihn als einen Kollegen kennengelernt, für den die Sache der HIV-Medizin nicht nur ein Job war. Er hat sich als Mensch und als Arzt in einer Weise für seine Patienten engagiert, die wir mit großem Respekt anerkennen. Auch in Zeiten, in denen Bilanzen, Erlöse, Regelleistungsvolumina und ähnliches die tägliche Diskussion zu bestimmen scheinen, hat Werner immer die Medizin in den Vordergrund gestellt. Seine Aufbauarbeit führte zur Entwicklung einer großen Schwerpunktpraxis.

Werner war ein warmherziger Mensch und anspruchsvoller Gesprächspartner. Er vertrat seine Meinung selbstbewusst und
erhielt sich eine kritische Grundhaltung. Die Begegnung mit ihm war eine Bereicherung, seine Patienten schätzen ihn sehr als Behandler.

Werner, Du fehlst uns schon jetzt. Wir werden uns immer mit großer Zuneigung an Dich erinnern. Deine Art ärztlicher Kunst wird für uns stets ein Vorbild sein, an dem wir uns orientieren.

Ausgabe 1 - 2017Back

DAIG LogoDGI LogoDSTIG LogoPEG Logo

Meldungen

  • BIC/FTC/TAF in der HIV-Therapie

    30. Januar 2026: BICSTaR-Studie: Langzeitwirksamkeit im klinischen Alltag weiter

  • Chlamydien

    30. Januar 2026: Inanspruchnahme des Screenings erhöhen weiter

  • MERS

    29. Januar 2026: Impfstoffkandidat zeigt langanhaltende Immunantwort weiter

  • Nipah-Virus

    29. Januar 2026: Keine Gefahr für Europa weiter

  • HIV

    29. Januar 2026: Welche Jugendliche mit HIV profitieren von Vitamin D/Kalzium-Gabe? weiter

  • Respiratorische Viren

    29. Januar 2026: Aktuelles Infektionsgeschehen weiter

  • Newletter online

    Jeden Monat akutelle Informationen rund ums Thema HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen.

    Für Ärzt_innen, Menschen mit HIV und alle Interessierten.

    Anmeldung hier

  • Doravirin

    28. Januar 2026: Was ist bei Doravirin anders? Video: Doravirin kurz erklärt weiter

  • Nachruf

    27. Januar 2026: Prof. Dr. Oliver Keppler weiter

  • Depot-Penicillin

    27. Januar 2026: Versorgungsmangel bei Benzylpenicillin-Benzathin weiter

  • Antibiotika

    23. Januar 2026: Trends in Deutschland 2010 – 2024 weiter

  • Sexuelle Gewalt

    23. Januar 2026: Neue Leitlinie zur Versorgung weiter

  • Appendizitis

    22. Januar 2026: Antibiotika bei unkomplizierter Appendizitis weiter

  • Impfempfehlungen

    22. Januar 2026: Übersicht zu relevanten Änderungen 2025 weiter

  • IAS 2027

    22. Januar 2026: Die 14. IAS-Konferenz wird in Genf stattfinden. weiter

  • Andmore

    22. Januar 2026: Penisgröße beeinflusst Attraktivität weiter

Ältere Meldungen weiter

Diese Website bietet aktuelle Informationen zu HIV/Aids sowie zur HIV/HCV-Koinfektion. Im Mittelpunkt stehen HIV-Test, Symptome und Auswirkungen der HIV-Infektion, Behandlung der HIV-Infektion, HIV-Medikamente mit Nebenwirkungen und Komplikationen, Aids, Hepatitis B und C. Ein Verzeichnis der Ärzte mit Schwerpunkt HIV ergänzt das Angebot.