Umzug in Berlin: Vom Auguste-viktoria Ins St. Joseph
Die Infektiologie ist uns wichtig

Warum 10 Ärzt*innen und 27 Pflegekräfte mit einer kumulativen HIV-Expertise von mehr als 550 Jahren umgezogen sind.

Team der Tagesklinik
Team der Tagesklinik


Alles hat in den 1980er Jahren angefangen, als im Auguste-Viktoria-Krankenhaus im Bezirk Berlin Schöneberg die ersten Menschen mit HIV-Infektion behandelt und allzu oft auch bis zum Tod gepflegt wurden. Es entwickelte sich eine Abteilung deren Team mit einem großen Schatz gesegnet war: Erfahrung, Herzblut, Engagement und überdurchschnittlichen Anspruch an ihre Arbeit. Die Abteilung war über die Stadtgrenze hinaus bekannt als ‚Die‘ HIV-Abteilung, sie war das Markenzeichen des AVK.

Kein Interesse an einer Neuausrichtung

Ärzteteam mit Chefarzt Dr. H. Stocker (3. von links)
Ärzteteam mit Chefarzt Dr. H. Stocker (3. von links)

Wie überall wurden jedoch auch dort die Mittel knapper und die Personalpolitik v.a. im Bereich der Pflege
änderte sich. Die Besonderheit der wirtschaftlich erfolgreichen Abteilung wurde einer strategischen Neuausrichtung des Krankenhauses untergeordnet, der Schatz sollte an andere verteilt werden. HIV sollte schon noch bleiben, aber bitte so klein wie möglich. Und die übrige Infektiologie, die sich in den vergangenen Jahrzehnten parallel zur HIV-Medizin entwickelt hat? Das kann doch jeder, wozu braucht man dazu eine bettenführende Abteilung?

Dies hätte zur Zerschlagung der Abteilung und damit zu einem unwiderbringlichen Verlust dieser gewachsenen Expertise geführt. Die Zahlen der stationären HIV-Patient*innen heute sind deutlich geringer als vor 30 Jahren. Ein solch breites Wissen zu HIV kann man deshalb in Deutschland nicht mehr so leicht erwerben.

Eigenständige Infektiologie

Es regte sich Widerstand in der Abteilung, der allgemeine Konsens war: wir wollen die Zukunft der Infektiologie nicht den Gestaltern von Portfolios überlassen. Die Versorgung unserer Patient*innen wollen wir als Team in gewohnter Weise fortführen und für die Patient*innen weiterhin da sein. Wir wollen uns nicht in eine andere internistische Fachabteilung eingliedern lassen. Wir glauben an die Idee einer eigenständigen Infektiologie.

Die gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung über Berufsgruppen hinaus zeichnet uns aus. So entstand der Wunsch und die Idee gemeinsam neue Wege zu gehen, die Abteilung ‚einzupacken’ und an anderer Stelle wieder auszupacken. Weiterzumachen wie wir es jahrzehntelang zuvor praktiziert hatten mit hohem Engagement und Ansprüchen, denen wir endlich wieder gerecht werden wollten.

Die Suche nach einer neuen Heimat war nicht schwer. Das St. Joseph Krankenhaus in Berlin-Tempelhof, dessen Direktorium schon im Sommer 2019 so weitsichtig war, die Bedeutung einer Klinik für Infektiologie zu erkennen, sagte zu und beherbergt seit dem 01. April 2020 eine neue moderne infektiologische Station und Tagesklinik.

Wertschätzung, Respekt und Freundlichkeit bekamen für uns eine neue Bedeutung. Waren wir vor einem Jahr noch mit weiteren Reduzierungen der Betten und damit Stellen konfrontiert, sehen wir uns jetzt mit unserem sehr erfahrenen und hochmotivierten Team in einer komplett anderen, positiven Umgebung.

Auch wenn die Zeiten sehr ungewöhnlich sind, Corona unseren Alltag bestimmt, sind wir gemeinsam angekommen und freuen uns darüber sehr! Daran möchten wir Sie teilhaben lassen.


Pflegeteam der Station
Pflegeteam der Station

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