Erfahrungen in der HIV-Praxis


Fragebogen in ukrainisch hilft

Dr. med. Georg HärterDr. med. Georg Härter,
MVZ Medicover Ulm,
Münsterplatz 6, 89073 Ulm

Email: georg.haerter@medicover.de

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine habe ich inzwischen 12 Patient*innen mit einer HIV-Infektion in meiner Sprechstunde behandelt. Dabei waren 7 Patient*innen Kinder bzw. Jugendliche. Alle hatten eine exzellent kontrollierte HIV-Infektion und waren alle unter einer Therapie mit TDF/3TC/DTG als Fix-Dosis 1-Tabletten-Regime. Die medizinische Versorgung dieser Patient*innen war offensichtlich exzellent in der Ukraine, auch bestehende Hepatitis C Infektionen wurden bei 2 Patient*innen mit DAA im Vorfeld behandelt und ausgeheilt.

Die Verständigung wurde entweder durch russisch sprachige Kolleg*innen oder Übersetzer*innen gewährleistet. Zur Vereinfachung habe ich in Zusammenarbeit mit aus der Ukraine stammenden Mitarbeitern einen zweisprachigen (deutsch-ukrainisch) Fragebogen und ein kurzes Informationsschreiben aufgesetzt, das die Kommunikation doch erheblich erleichtert. Hierbei werden u.a. Koinfektionen wie Hepatitis B, C oder Tuberkulose abgefragt. Aber auch eine Erläuterung, dass in Deutschland die antiretrovirale Therapie, die äquivalent zu der bisher in der Ukraine verwendeten Therapie ist (TDF/FTC/DTG) nur in Form von 2 Tabletten verfügbar ist.

Ein Problem ist allerdings, dass einige Patienten nicht registriert sind und somit die Kostenübernahme sowohl der notwendigen Laboruntersuchungen als auch der Medikamente nicht gewährleistet ist. Dies ist bedingt zum Einen, dass einige Patienten nicht registriert werden wollen, zum Anderen aber, dass ihnen dieser Umstand nicht bekannt ist. Sofern eine Registrierung als Geflüchtete*r vorliegt ist eine Behandlung über den Behandlungsschein des zuständigen Landratsamtes ohne Probleme möglich. Daher besteht hier aus meiner Sicht doch Aufklärungsbedarf.



Hauptproblem Sprachbarriere

Dr. Stefan PurscheDr. Stefan Pursche und
Dr. Andreas Jenke,
Dresden

Email: pursche@doktorjenke.de

Bis zum heutigen Tag betreuen wir acht Flüchtlinge, davon fünf Frauen und drei Männer. Die meisten der Flüchtlinge haben den Weg in die Schwerpunktpraxis mit Unterstützung der AIDS-Hilfe gefunden. Besonders für Betroffene, die in Kleinstädten oder ländlichen Regionen untergekommen sind, ist der Zugang zu einer Behandlung besonders schwierig. Diese Patienten erreichen uns erst dann, wenn nur noch sehr wenige oder keine Medikamente mehr vorhanden sind. Alle Patienten/innen erhielten bereits in Ukraine eine ART meist mit einem Dolutegravir basierten STR. Alle Patienten wurden in der Ukraine regelmäßig kontrolliert und hatten eine supprimierte Viruslast. Die männlichen Patienten haben zudem noch Begleiterkrankungen, aufgrund derer sie als invalide galten und das Land verlassen durften. Das Hauptproblem bei der Betreuung ist die Sprachbarriere. Wir beherrschen nur wenige Worte Russisch, die Patienten sprechen meistens kein Deutsch oder Englisch. Wir behelfen uns meist noch mit dem Google Übersetzer. Nur manchmal stand uns eine ehrenamtliche Begleitperson zur Verfügung, die Dolmetschen konnte. Als Vorbefunde haben die Patienten meist nur ein Foto ihrer letzten Laboranalyse, die ihnen teilweise von ihren behandelnden Ärzten per Mail gesendet wurde. Ein weiteres Problem stellt Bereitstellung von Behandlungsscheinen, die die Kostenübernahme absichern, besonders durch die Behörden in ländlichen Regionen dar. Glücklicherweise werden die Menschen hierbei durch die AIDS-Hilfe und andere ehrenamtliche Helfer mit großem Engagement unterstützt. Gerade arbeitet die Dresdner AIDS-Hilfe e.V. am Aufbau eines Dolmetscherdienstes. Wir hoffen, dass wir damit die Flüchtigen über die basale Versorgung mit ART und die Laborkontrolle hinaus ärztlich besser betreuen können.


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