Zusammenfassung Studienergebnisse
Robert Koch Institute Logo„Sexuelle Gesundheit von trans und nicht-binären Communitys“

Personen aus trans und nicht-binären Communitys haben in vielen Regionen der Welt eine erhöhte Vulnerabilität für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen. Erstmals liegen nun auch Daten für Deutschland vor.

Da es in Deutschland an systematisch erhobenen Daten zur sexuellen Gesundheit für Menschen aus trans und nicht-binären Communitys fehlte, wurde die Studie „Sexuelle Gesundheit und HIV/STI in trans und nicht-binären Communitys“ als partizipatives Projekt mit Community-Vertreter*innen, der Deutschen Aidshilfe und dem Robert Koch-Institut durchgeführt. Die Studie wurde durch Mittel aus dem Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Sie umfasste einen qualitativen Teil mit Fokusgruppen und Interviews, der von der Deutschen-Aidshilfe durchgeführt wurde. Das Robert Koch-Institut führte den quantitativen Studienteil durch und erhob mittels eines Online-Fragebogen Daten. Mit der Veröffentlichung eines gemeinsamen ausführlicheren Forschungsberichts durch das RKI und einer gemeinsamen Broschüre durch die Deutsche Aidshilfe stehen nun erstmals Daten für Deutschland bereit, die eine wichtige Grundlage für Public Health-Strategien bieten können.

Der qualitative Studienteil

Im Rahmen des qualitativen Studienteils, der an der DAH durchgeführt wurde, wurden mit Fokusgruppen und Interviews Daten zur Sprache bezüglich Sexualität und Körper, zu Belastungsfaktoren auf die sexuelle Gesundheit, zu unterstützenden Aspekten für ein positives Selbstbild sowie zu Hindernissen in der Inanspruchnahme von Testangeboten erhoben. Insgesamt nahmen 59 Personen teil. Es zeigte sich, dass es keinen Community-Konsens bezüglich verwendeter Begriffe für vergeschlechtlichte Körperteile gibt, stattdessen möchten trans und/oder nicht-binäre Menschen gefragt werden, welche Begriffe verwendet werden. Zudem konnten sowohl Belastungs- als auch Empowermentfaktoren für die sexuelle Gesundheit identifiziert werden: Während Diskriminierungserfahrungen, Mehrfachmarginalisierung, Minoritätenstress, Geschlechtsdysphorie und internalisierte Transnegativität als belastend herausgearbeitet wurden, wurden beispielsweise Körperaneignung, Transitionsprozesse, Wissen zu sexueller Gesundheit und Anschluss an die Community als bestärkend beschrieben. Zudem bewerteten die Teilnehmer*innen des qualitativen Studienteils Angebote der sexuellen Gesundheit, die nicht auf trans/nicht-binäre Menschen spezialisiert waren, als unzureichend.

Der quantitative Studienteil

Im Rahmen des quantitativen Studienteils, der am RKI durchgeführt wurde, wurden Informationen erhoben, in welchem Ausmaß Personen aus trans und nicht-binären Communitys von HIV und STIs betroffen sind, welche Faktoren bei Sexualität und sexuellen Risiken eine Rolle spielen und welche Erfahrungen und Bedarfe im Kontext von Sexualität und HIV/STI-Prävention, Beratung und Versorgung bestehen. Insgesamt konnten Angaben von 3.077 Teilnehmer*innen ausgewertet werden, wobei nicht alle Teilnehmer*innen jede Frage beantworteten. Der Anteil der Befragten mit selbst-berichteter HIV-Diagnose lag bei 0,7%, die häufigste erhaltene STI-Diagnose waren Chlamydien (4,5%) und Gonorrhö (2,7%). 45% der Befragten wollten sich innerhalb der letzten fünf Jahre zu HIV oder zu sexuell übertragbaren Infektionen beraten lassen, aber nur 27% nahmen eine Beratung in Anspruch. Eine wichtige Barriere für die Inanspruchnahme von Beratung bildete beispielsweise eine erwartete und/oder erfahrende Diskriminierung. 17% der Befragten, die keine Beratung in den letzten 5 Jahren in Anspruch genommen hatten, gaben dies als einen Grund an. Der Anteil der Befragten, die mit ihrer Beratung sehr bis eher zufrieden waren, war höher, wenn die Beratung auf trans und nicht-binäre Menschen ausgerichtet war (88%) als bei einem allgemeinen Beratungsangebot (62%).

Die Broschüre zur Studie kann auf der Webseite der DAH heruntergeladen und als Printversion bestellt werden:
https://www.aidshilfe.de/shop/sexuelle-gesundheit-hivsti-trans-nichtbinaeren-communitys

Der Forschungsbericht kann auf der Webseite des RKI heruntergeladen werden:
https://www.rki.de/tasg

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