Im Focus: Prävention

"Therapie und Prävention müssen heiraten!" So brachte Myron Cohen, North Carolina, die Diskussion um die Prävention auf den Punkt. Die Therapie allein kann die weltweite HIV-Pandemie nicht stoppen. Sie wirkt zwar durch die Senkung der Viruslast auch präventiv, doch weitere Präventionsmaßnahmen sind jedoch unverzichtbar.

Die antiretrovirale Therapie kann einem mathematischen Rechenmodell von Julio Montaner, Vancouver, die Zahl der HIV-Neuinfektionen drastisch senken. Die Ausweitung der Behandlung von aktuell 50% der HIV-Patienten auf 75%, 90% und 100% könnte die Zahl der jährlichen Neuinfektionen um 30%, 50% bzw. 60% senken. Im kanadischen British-Columbia, wo das von Montaner geleitete Center for Excellence in HIV/AIDS beheimatet ist, wurde die Therapie bereits von der Landesregierung offiziell in den Status eine Präventionsmaßnahme erhoben.

Aufbruchstimmung bei Mikrobiziden, PrEP und Impfung

"Wir können uns aber nicht aus der HIV-Pandemie heraustherapieren", warnte Myron Cohen und empfahl eine engere Verknüpfung von Therapie und Prävention. Erfreulicherweise gibt es hier neue Ansätze, an denen mit Hochdruck gearbeitet wird. Bei den Mikrobiziden war nach den vergangenen Misserfolgen wieder Aufbruchstimmung zu spüren. Die Hoffnung wird dabei insbesondere auf Gele mit antiretroviralen Substanzen gesetzt. Selbst bei der Impfung, die noch auf der CROI 2008 quasi für tot erklärt wurde, gibt es wieder Hoffnung. Aktuell setzt man auf T-zellvermittelte Impfstoffe, die wenn auch keine vollständige Immunität, aber doch einen gewissen Schutz vermitteln könnten. Bei der Präexpositionsprophylaxe mit Tenofovir-Tabletten einmal täglich laufen die klinischen Studien noch. Tierexerpimentelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass möglicherweise auch die Gabe vor und nach Exposition ausreichen könnte.

Schweizer EKAF-Statement

Das Statement der Schweizer EKAF ist kein offizielles Thema auf dem WeltAids-Kongress, sagte Julio Montaner energisch in einer Pressekonferenz. Dennoch kommt das Papier immer wieder zur Sprache. Vor Kongressbeginn gab es sogar ein kleines Symposium der Schweizer zum Thema. Dabei entschuldigte sich Pietro Vernazza, St. Gallen, für den missverständlichen Titels des Statements. Das Papier sei lediglich als Hilfe für Schweizer Ärzte in der Beratung von festen, diskordanten Paaren gedacht gewesen. "Es war nie als weltweite Botschaft gedacht, sondern eher ein politisches Statement für die Schweiz ", sagte Vernazza.

Kontrovers diskutiert wurde ferner, wie hoch nun das Risiko einer Transmission unter den im Schweizer Statement angegebenen Bedingungen ist. Im Papier ist von einem Transmissionsrisiko von 1:100.000 die Rede. Dies ist laut Myron Cohen eher "Glaube als Fakt". Fest steht allerdings auch, dass selbst Kondome keinen 100%igen Schutz bieten, aber dennoch dieses Gefühl vermitteln.

Fazit: Einheitliche Kommunikation und klare Leitlinien

Am Schluss der kontroversen Diskussion stand die Erkenntnis, dass man einheitlich kommunizieren muss, was Daten zeigen, und gegebenenfalls Leitlinien für die Beratung vorgeben.


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