Nutzen der frühen Therapie

Rom, 19.7. 2011

Ein früher Therapiebeginn bei 350-550 CD4-Zellen/µl senkt die Rate schwerer Infektionen um rund 40%. In der Studie HTPN 052, die in Entwicklungsländern durchgeführt wurde, wurde bei 1763 Patienten auch der Effekt des frühen Therapiebeginns untersucht. Bei einer Gruppe wurde die Therapie bei 350-550 CD4-Zellen/µl eingeleitet, bei der anderen Gruppe (entsprechend den lokalen Leitlinien) erst, wenn die Zellen <250/µl gefallen waren.

Basisdaten

Die mittlere CD4-Zahl bei Studienbeginn lag bei 446/µl und die Viruslast bei  25.000 Kopien/ml. Die mittlere Zeit bis zum Start der HAART bei den Patienten, die erst bei fortgeschrittenem Immundefekt behandelt wurden, betrug etwa 3,5 Jahren. 75% der Patienten in diesem Arm begannen die Therapie wegen des Abfalls der CD4-Zellen. Bei Therapiestart betrug die mittlere CD4-Zahl im ersten Arm 442/µl, im zweiten Arm 225/µl.

Ergebnisse

Bei früher Therapie erreichten 40 Patienten, bei später Therapie 65 einen primären Endpunkt (2,4 vs 4,0 pro 100 PJ). Der Unterschied ging im wesentlichen auf weniger extrapulmonale Tuberkulosen (3 vs. 17 Fälle bei CD4/µl 443 vs, 342), zu einem geringeren Teil auf andere schwere bakterielle Infektionen (insbesondere Pneumonien), zurück. Kein Unterschied bestand im Hinblick auf die Mortalität und pulmonale Tuberkulosen.


Kommentar

Dr. Ramona Pauli, München

Diese Studie wurde in Malawi, Indien, Zimbabwe, Botswana, Thailand and Brasilien durchgeführt. Wäre sie in Deutschland durchgeführt worden, hätte sich ? zumindest im Hinblick auf die untersuchten Endpunkte ? vermutlich kein Unterschied zwischen frühem und späten Therapiebeginn gezeigt. Die Arbeit unterstreicht allerdings die Bedeutung der Pneumokokken-Impfung sowie Tuberkulose-Diagnostik bzw. -Prophylaxe bei Migranten aus diesen Ländern und zwar nicht erst im Stadium des fortgeschrittenen Immundefekts.

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