PrEP muss maßgeschneidert sein!

Vancouver, 19.07 2015

Die nicht tägliche PrEP (PRäExpositionsprophylaxe) funktioniert, die Adhärenz jedoch ist schwieriger.

Die Studie iPREX belegt, dass auch die nicht-tägliche Einnahme von Tenofovir/Emtricitabin vor HIV-Infektionen schützt. In der Studie HTPN067 wurden jetzt drei PrEP-Optionen an drei verschiedenen Patientengruppen untersucht. Ziel der Studien war die NICHT der Nachweis der Wirksamkeit der PrEP, sondern der „Machbarkeit“.

Die Gruppen waren:

Bangkok, Thailand: 176 MSM und 2 transgender Frauen. Das Alter lag bei im Schnitt 31 Jahren. Die meisten hatten die Universtität besucht und nur wenige waren arbeitslos. Die Teilnehmer hatten etwa einmal pro Woche Sex.

Harlem, New York: 176 MSM und 3 transgender Frauen. Das mittlere Alter betrug 30 Jahre. Zwei Drittel der Männer waren schwarz und zwei Drittel waren arbeitslos. Die Teilnehmer hatten einmal wöchentlich Sex.

Kapstadt, Südafrika: 179 women. Das Alter betrug im Schnitt 26. Rund 80% waren nicht verheiratet und 80% waren arbeitslos.

Den Patienten wurde eine der folgenden Optionen zugeteilt, die sie selbstständig 24 Wochen anwenden sollten: 

  1. tägliche Einnahme
  2. eine Tablette 2xWoche und 1x1 Tablette nach Sex
  3. eine Tablette vor Sex (bis zu 48 Std vorher) und eine Tablette nach Sex (bis zu 2 Stunden)

HPTN 067 Design

Nicht mehr als 2 Tabletten am Tag und nicht mehr als 7 Tabletten pro Woche.

Nach einer DOT-Phase zur Spiegelmessung mussten die Probanden die PrEP 24 Wochen lang selbstständig durchführen. Die Adhärenz wurde durch elektronische Boxen gemessen, die jedes Öffnen protokollierten. Die sexuelle Aktivität wurde wöchentlich per Telefon erfragt.

Unterschiedliche Ergebnisse

In allen drei Gruppen war die Adhärenz bei der täglichen Einnahme am besten - aber es gab große Unterschiede zwischen den Gruppen gab.

Am besten schnitten die thailändischen MSM ab. Sie nahmen 85% der täglichen Medikation, 79% der zweimal wöchentlichen Dosis und 65% der Dosen ein.

In Harlem wurden 65%, 46% und 41% der drei Optionen eingenommen. Bei den afrikanischen Frauen waren es

Umgerechnet auf die sexuellen Kontakte schützte das tägliche Regime, das wöchentliche Regime und das Kontakt-getriggerte Regime:

In Bangkok 85%, 84% und 74% der Kontakte

In Harlem 66%, 47% und 52% der Kontakte

In Kapstadt 75%, 56% und 52% der Kontakte

Am häufigsten wurde die Dosis nach dem Sex vergessen und zwar sowohl beim wöchentlichen als auch beim Kontakt-getriggerten Regime. Die Einnahme war schwierig, wenn der Sexpartner noch da war oder die Probanden nicht zu Hause waren.

Zweimal während der Untersuchung wurden Tenofovir-Spiegel nach Sex in der Woche zuvor gemessen. In Bangkok hatten 90% der Teilnehmer nachweisbare Blutspiegel in allen drei PrEP-Gruppen, in Harlem und Kapstadt war Tenofovir deutlich häufiger bei täglicher Einnahme nachweisbar.

Bei 6 Teilnehmern kam es während der Untersuchung zur HIV-Infektion: 5 in Kapstadt, 1 in Harlem. Keiner davon hatte relevante Tenofovir-Spiegel.

Hinsichtlich der Veträglichkeit fand sich kein Unterschied. Am häufigsten wurde über Benommenheit, Kopfschmerz, Übelkeit und Diarrhoe in den ersten zwei Monaten geklagt.

Das sexuelle Verhalten der Teilnehmer blieb unverändert.

Kommentar Dr. Ramona Pauli, München

Diese Studie belegt klar, dass weniger Tabletten nicht immer besser sind. Nur gut informierte und hochmotivierte Menschen scheinen in der Lage zu sein, eine nicht-tägliche PrEP auch konsequent durchzuführen. Am einfachsten und zuverlässigsten ist die tägliche Einnahme. Für die Praxis bedeutet das viel Aufklärungsarbeit und eine realistische Einschätzung der sexuellen Aktivität, Motivation und Adhärenz.


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