HIV-Therapie doch schon bei einer CD4-Zahl von 350-500 Zellen/µl beginnen?

Bei asymptomatischen Patienten wird derzeit ein Behandlungsbeginn bei <350 CD4-Zellen/µl empfohlen. Neue Daten sprechen jedoch für einen früheren Zeitpunkt: Warten HIV-Patienten mit einer CD4-Zellzahl von 351-500 Zellen/µl länger als 1,5 Jahre mit der HIV-Therapie, haben sie im Vergleich zu den Patienten, die bei <350 CD4-Zellen/µl eine HIV-Therapie beginnen, ein um 70% erhöhtes Mortalitätsrisiko.

So lautet das Ergebnis einer Kohortenstudie der North American AIDS Cohort Collaboration on Research and Design (NA-ACCORD), an der 8.374 HIV-infizierte US-Amerikaner und Kanadier zwischen 1999 und 2006 teilnahmen. Die HIV-Patienten hatten 351-500 CD4-Zellen/µl, keine AIDS-Symptome und waren nicht vorbehandelt. Das mediane Alter lag bei 39 Jahren und knapp 40% der Teilnehmer waren Weiße. Der erste in der Kohorte gemessene mediane CD4-Wert betrug 430 Zellen/µl und die erste gemessene mediane Viruslast betrug 15.000 Kopien/ml.

Insgesamt 2.473 Patienten begannen eine HIV-Therapie innerhalb von 1,5 Jahren, nachdem ihre CD4-Zellzahl 351-500 Zellen/µl erreichte, und 5.901 starteten die Therapie erst bei weniger als 350 CD4-Zellen/µl. Zu Therapiebeginn lag die CD4-Zellzahl in der Gruppe mit dem frühen Therapiestart bei 421/µl und in der Gruppe mit dem späten Therapiestart bei 275/µl. Die initialen Therapieregime unterschieden sich in den beiden Gruppen kaum.

Insgesamt starben 221 Patienten mit frühem Therapiestart (3,0 pro 100 Patientenjahre) und 446 Patienten mit späten Therapiestart (3,2 pro 100 Patientenjahre) im Verlauf der Beobachtungszeit. Das relative Risiko zu sterben, war in der Gruppe mit spätem Therapiestart um 70% erhöht (RH 1.7, 95% CI 1.4-2.1; p<0,001). Viruslast, HCV-Koinfektion und i.v-Drogengebrauch beeinflussten den Zusammenhang zwischen Therapiestart und Mortalität nicht, auch wenn die beiden letzteren Faktoren die Mortalität individuell erhöhten. Jede zusätzlichen zehn Lebensjahre erhöhten unabhängig vom Therapiebeginn die Mortalität um jeweils 60% (RH 1.6, 95% CI 1.5-1.8, p<0.001).


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