Interview mit Engelbert Zankl, München 


Engelbert Zankl, München

Was bedeutet Lipodystrophie für den Patienten?

Engelbert Zankl berät im Rahmen der Therapiehotline der Münchner Aids-Hife seit 11 Jahren HIV- Positive in allen Fragen rund um die HIV-Therapie.


Bei der Einleitung einer HIV-Therapie wird immer auch über mögliche Nebenwirkungen gesprochen. Wovor haben die Patienten am meisten Angst?

Zankl: Die meisten Patienten haben große Angst vor Nebenwirkungen der HIV-Therapie und vergessen darüber manchmal sogar die Wirkung, nämlich die lebensrettende Unterdrückung der Virusvermehrung. Am meisten Angst haben die Patienten vor der Fettumverteilung. Leider steht auch ausnahmslos bei jedem HIV-Medikament die Fettverteilungsstörung als mögliche Nebenwirkung im Beipackzettel, obwohl das Risiko bei einigen Medikamente größer ist als bei anderen. Da aber HIV-Medikamente immer in Kombination gegeben werden, ist die Erwähnung gesetzlich vorgeschrieben und die Patienten können das tatsächliche Risiko nur schwer beurteilen.

Was verstehen Patienten unter dem Begriff „Lipodystrophie“ ?

Zankl: Die meisten denken hierbei nur an die Lipoatrophie, vor allem den Fettschwund im Gesicht. Aber auch der Fettverlust an

Gesäß, Armen und Beinen wird als sehr schlimm empfunden. Dass es Fettansammlungen geben kann ist weniger bekannt.

Was bedeutet die Fettumverteilung für den Betroffenen?

Zankl: In erster Linie bedeutet es, für andere als HIV-positiv erkennbar zu sein. Viele schwule Männer kennen die typischen Zeichen der Lipoatrophie und auch die Ursache. Zum anderen ist es ein ästhetisches Problem. Insgesamt sind die körperlichen Veränderungen nur schwer zu ertragen. Das Selbstbild ist gestört und die sexuelle Attraktivität gravierend vermindert. Das hat weitreichende psychische Folgen bis hin zur schweren Depression.

Interessanterweise führen Fettansammlungen z.B. Büffelhöcker oder eine Vergrößerung der Brust bei Frauen, mehr zu körperlichen Beschwerden als zu psychischen Probleme, vielleicht weil man die Fettzunahme durch Kleidung besser kaschieren kann als den Fettverlust im Gesicht.

Wie ist ihr Eindruck, wird die Fettumverteilung seltener?

Zankl: Ja, ganz eindeutig. Lipoatrophien sind eine Rarität geworden, da die verursachenden Medikamente Stavudin und Zidovudin viel seltener eingesetzt werden. Und auch Fettansammlungen sind seltener geworden, kommen aber immer wieder vor.

Was raten Sie den Patienten?

Zankl: Das ist sehr schwierig. Bei Fettansammlung heißt es ja immer wieder, abnehmen hilft. Doch das ist nicht unproblematisch.

Bei der Gewichtsreduktion verschwindet das Fett nicht nur dort, wo es soll, sondern eben auch an anderen Stellen. Daher ist ein gleichzeitiger Muskelaufbau unbedingt empfehlenswert. Eine Umstellung der Medikamente ist möglich, hilft aber oft auch nicht viel.

Was ist mit kosmetischen Eingriffen?

Zankl: Kosmetische Behandlungen sind effektiv, z.B. Fettabsaugen beim Büffelhöcker oder Unterspritzen mit Füllern im Gesicht.

Leider werden diese Maßnahmen in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, aber es lohnt sich hier einen Antrag zu stellen und ich persönlich würde auch bis zur Klage gehen.

Ausgabe 1 - 2011Back

DAIG LogoDGI LogoDSTIG LogoPEG Logo

Meldungen

  • Herpes-simplex- und Zosterviren

    25. November 2025: Konsiliarlabor bleibt in Freiburg weiter

  • HPV-Impfung

    25. November 2025: Cochrane Reviews bestätigen Wirksamkeit und Sicherheit weiter

  • Malaria

    25. November 2025: Plasmodien bewegen sich auf rechtshändigen Spiralen weiter

  • Lassa-Fieber

    24. November 2025: Erster Impfstoff weckt Hoffnung weiter

  • Gonorrhoe

    24. November 2025: Weltweit zunehmende Resistenz weiter

  • Newletter online

    Jeden Monat akutelle Informationen rund ums Thema HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen.

    Für Ärzt_innen, Menschen mit HIV und alle Interessierten.

    Anmeldung hier

  • Influenza

    24. November 2025: mRNA-Impfstoff überlegen weiter

  • Antimikrobielle Resistenz

    21. November 2025: Ibuprofen und Paracetamol begünstigen Resistenzentwicklung weiter

  • Harnwegsinfekt

    20. November 2025: Auch bei Nierentransplantierten: Keine Antibiotika bei asymptomatischer Bakteriurie weiter

  • HIV in Deutschland

    20. November 2025: Nicht weniger, sondern mehr Neuinfektionen weiter

  • Influenza

    20. November 2025: Grippe-Saison startet früher als bisher weiter

  • Endoskopie

    19. November 2025: „Bakterien-Pillen“ könnten Koloskopie ersetzen weiter

  • Antimikrobielle Resistenz

    19. November 2025: Europäisches AMR Portal gestartet weiter

  • and more

    19. November 2025: Frauen ziehen wissenschaftliche Arbeiten seltener zurück weiter

  • Tuberkulose

    19. November 2025: Neue Kombination mit Sorfequilin könnte TB-Therapie verkürzen weiter

  • Poliomyelitis

    14. November 2025: Wildtyp-Polio im Abwasser in Hamburg weiter

Ältere Meldungen weiter

Diese Website bietet aktuelle Informationen zu HIV/Aids sowie zur HIV/HCV-Koinfektion. Im Mittelpunkt stehen HIV-Test, Symptome und Auswirkungen der HIV-Infektion, Behandlung der HIV-Infektion, HIV-Medikamente mit Nebenwirkungen und Komplikationen, Aids, Hepatitis B und C. Ein Verzeichnis der Ärzte mit Schwerpunkt HIV ergänzt das Angebot.