Interview mit Dr. Dieter Hoffmann, Virologe, München
Virologische Aspekte

Wie unterscheidet sich SARS-CoV-2 von den „Erkältungs-Corona-Viren“?

Dr. Dieter Hoffmann Virologe Institut für Virologie TU MünchenDr. Dieter Hoffmann

Virologe

Institut für Virologie TU München

Hoffmann:  Alle Corona-Viren sind positiv-Strang RNA-Viren. Das neue Virus SARS-CoV-2 am nächsten verwandt mit einem Corona-Virus, das in Fledermäusen vorkommt. Man nimmt daher an, dass SARS-CoV-2 nicht direkt aus einem humanpathogenen Corona-Virus hervorgegangen ist, sondern dass sich ein tierischer Virusstamm dem Menschen angepasst hat.

Viren entwickeln sich ja ständig weiter. Wird es einen Shift geben ähnlich wie bei Influenza?

Hoffmann: Einen Shift wie bei Influenza wird es nicht geben, denn SARS-CoV-2 hat kein segmentiertes Genom und kann daher keine Gene mit anderen Viren austauschen wie Influenza-Viren. Aber es wird wie bei allen RNA-Viren Mutationen geben. Dies ist jedoch ein langsamer Prozess, so dass man nicht wie bei der Influenza beispielsweise jährlich einen neuen Impfstoff herstellen muss.

Goldstandard der Diagnostik ist der Direktnachweis mittels PCR. Wie zuverlässig ist das?

Hoffmann: Die PCR-Tests sind mittlerweile sehr spezifisch und zuverlässig. Voraussetzung ist ein adäquater Abstrich, d.h. ein tiefer Rachen- oder Nasen-Rachen-Abstrich am besten mit Epithelzellen, in denen sich das Virus ja vermehrt. Man muss aber auch sagen, dass wir falsch negative Ergebnisse sehen, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung. Das Virus repliziert anfangs im oberen Respirationstrakt, später jedoch eher in den tiefen Atemwegen, der Abstrich kann daher trotz schwerer COVID-19-Erkrankung falsch negativ oder nur niedrig positiv sein.

Wie lange ist das Virus denn nachweisbar?

Hoffmann: Das ist individuell sehr unterschiedlich. SARS-CoV-2 ist – wie bei allen Virusinfektionen – schon mehrere Tage vor Erkrankungsbeginn nachweisbar. Nach Abklingen der Beschwerden kann das Virus bis zu einem Monat und länger in niedrigen Konzentrationen nachweisbar bleiben. Ob es sich dabei um infektiöse Viren oder sozusagen genetischen Schrott handelt, wissen wir nicht, da durch diagnostische PCRs nur kleine Anteile des SARS-CoV-2 Genoms detektiert werden. Meine Meinung: Wenn auf Schleimhäuten Viren nachweisbar sind, ist eine Infektiosität wahrscheinlich, denn die Schleimhaut, in der sich die Viren vermehren, hat einen raschen Turnover.

Wie sieht es bei den Antikörpertests aus? Welche Tests sind gut?

Hoffmann: Es gibt Enzymimmunoassays von verschiedenen Herstellern, nicht nur von Roche, die überraschend gut sind und kaum Kreuzreaktionen mit saisonalen-Corona zeigen. Wie sensitiv die Tests im Bezug auf das aktuelle SARS-CoV-2 sind, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Immunoblotverfahren, die in Entwicklung sind, sind spezifischer, werden aber vermutlich nur für spezielle Fragestellungen zum Einsatz kommen, z.B. zur Abklärung, wenn die PCR negativ und der Immunoassay schwach positiv ist. Viel relevanter wäre es, spezifische neutralisierende Antikörper abzugrenzen. Letztendlich wird die Immunität ja von neutralisierenden Antikörpern vermittelt, die nur einen Bruchteil der Gesamt-Antikörper ausmachen. Solche Tests sind bereits in Entwicklung je nach Intensität der Infektion bestenfalls eine kurzzeitige Immunität, aber wahrscheinlich nicht gegen SARS-CoV-2.

Vermitteln frühere Corona-Infektionen gar keine Immunität?

Hoffmann: Die saisonalen Corona-Viren hinterlassen je nach Intensität der Infektion bestenfalls eine kurzzeitige Immunität, aber gar nicht gegen SARS-CoV-2.

Wann kommt die Impfung?

Hoffmann: Bei der Impfung gibt es viele erfolgversprechende Ansätze, auch neue RNA-basierte Impfstoffe. Die Impfung wird kommen, angesichts der weltweiten Anstrengung vermutlich innerhalb der nächsten 12-18 Monate. Was spannend sein wird, ist das Ansprechen der Impfung bei den Risikogruppen, also bei Alten, Multimorbiden und Immungeschwächten. Wir wissen, dass die Influenza-Impfung hier keinen 100%igen Schutz bietet, sondern nur zu etwa 60-70%. Wenn das bei SARS-CoV-2 auch zutrifft, bleiben gerade die Risikogruppen nicht optimal geschützt.

Ausgabe 2 - 2020Back

DAIG LogoDGI LogoDSTIG LogoPEG Logo

Meldungen

  • Sepsis

    08. April 2026: Internationale SSC Leitlinie 2026 weiter

  • Robert Koch-Institut

    07. April 2026: Dashboard zu meldepflichtigen Erkrankungen weiter

  • Mpox

    05. April 2026: EMA empfiehlt: Kein Tecovirimat bei Mpox weiter

  • Influenza

    05. April 2026: Impfung schützt auch bei Infektion vor Infarkt und Schlaganfall weiter

  • Newletter online

    Jeden Monat akutelle Informationen rund ums Thema HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen.

    Für Ärzt_innen, Menschen mit HIV und alle Interessierten.

    Anmeldung hier

  • Cholera

    03. April 2026: Nationale Grenzen und Phagen beeinflussen Entwicklung weiter

  • Malaria

    03. April 2026: Klimadaten helfen bei Bekämpfung weiter

  • Tuberkulose

    31. März 2026: Lieferengpass Ethambutol weiter

  • Adhärenz in der HIV-Therapie

    31. März 2026: Die Expertin Dr. med. Hannah Linke im Interview weiter

  • Shigellen und Salmonellen

    26. März 2026: Häufige Infektionen bei Reiserückkehrern aus Cabo Verde weiter

  • Welt Tuberkulose Tag

    24. März 2026: Die WHO Europa und ECDC haben einen gemeinsamen Surveillance Bericht veröffentlicht. weiter

  • Hepatitis E

    23. März 2026: Neues „..buvir“ gegen Hepatitis E weiter

  • Ebola

    22. März 2026: Postpartale Persistenz in Muttermilch weiter

  • Antibiotika-Resistenz

    22. März 2026: Forschungsprojekt GUARDIAN gestartet weiter

  • Tuberkulose

    20. März 2026: S3-Leitlinie TB-Prävention bei Migrant*innen weiter

  • Influenza

    19. März 2026: WHO publiziert Impfstoff-Viren für 2026/2027 weiter

Ältere Meldungen weiter

Diese Website bietet aktuelle Informationen zu HIV/Aids sowie zur HIV/HCV-Koinfektion. Im Mittelpunkt stehen HIV-Test, Symptome und Auswirkungen der HIV-Infektion, Behandlung der HIV-Infektion, HIV-Medikamente mit Nebenwirkungen und Komplikationen, Aids, Hepatitis B und C. Ein Verzeichnis der Ärzte mit Schwerpunkt HIV ergänzt das Angebot.