Abacavir: Kontroverse zur virologischen Wirksamkeit

In der ACTG-Studie 5202 war Abacavir bei hochvirämischen Patienten weniger wirksam als Tenofovir. Dem gegenüber stehen Auswertungen von GSK, die eine vergleichbare virologische Wirksamkeit zeigen.

In der laufenden vierarmigen Studie ACTG 5202 (n=1.858) werden die beiden Backbones Abacavir/Lamivudin und Tenofovir/Emtricitabin in der Firstline direkt miteinander verglichen.

  1. EFV, FTC/TDF und Placebo für ABC/3TC.
  2. EFV, Placebo für FTC/TDF und ABC/3TC.
  3. ATV/r, FTC/TDF und Placebo für ABC/3TC
  4. ATV/r, Placebo für FTC/TDF und ABC/3TC

Der NRTI-Arm bei den hochvirämischen Patienten wurde im Januar dieses Jahres nach einer geplanten Interim Sicherheitsanalyse (mittlere Bebachtungszeit 60 Wochen) entblindet, da Abacavir/Lamuvudin war in dieser Gruppe weniger wirksam war als Tenofovir/Emtricitabin.

Nun wurden die 48-Wochen-Daten von 797 Teilnehmern mit einer Ausgangsviruslast > 100.000 Kopien/ml vorgestellt. 85% der Teilnehmer waren Männer, 47% Weiße, 26% Afroamerikaner und 25% Latinos. Die Viruslast zu Baseline in dieser Gruppe lag bei 5,1 log Kopien/ml, die CD4-Zahl bei 181/µl. 10% in beiden Armen brachen die Therapie vorzeitig ab.

Mehr primäres und sekundäres Versagen

Unter Abacavir/Lamivudin kam es im Vergleich zu Tenofovir/Emtricitabin doppelt so häufig zum virologischen Versagen (Hazard ratio [HR], 2.33; 95% Konfidenzinterval [CI], 1.46 bis 3.72; p=0.0003). Die Rate des Versagens unter Abacavir/Lamivudin war höher im Hinblick auf den Zeitpunkt (vor und nach 24 Wochen Therapie), auf primäres Versagen (Nicht-Erreichen einer Viruslast unter der Nachweisgrenze) und sekundäres Versagen (virologischer Rebound nach kompletter Suppression).

Verträglichkeit schlechter

Zudem wurden unter Abacavir/Lamivudin signifikant häufiger gravierende Nebenwirkungen (Grad 3 oder 4) beobachtet als unter Tenofovir/Emtricitabin (33% vs. 19%). Dabei handelte es sich in erster Linie um erhöhte Blutfette (10% vs 3%) und allgemeine Körperschmerzen (14% vs 10%). Myokardinfarkte wurden nicht beobachtet.

Vergleichbare Wirksamkeit in GSK-Analyse

Dagegen zeigte die Auswertung der 48-Wochen-Daten von fünf klinischen GSK-Studien (KLEAN, SHARE, CNA30021, CNA30024 und ESS30009) eine gute virologische Wirksamkeit von Abacavir/Lamivudin auch bei hochvirämischen Patienten. Bei der Auswertung wurden die gleichen Endpunkte gewählt wie in ACTG5202. In der sechsten klinischen Studien, der HEAT-Studie, die gesondert präsentiert wurde, war die virologische Wirksamkeit der beiden Backbones ebenfalls unabhängig von der Viruslast vergleichbar. Zu Woche 48 lag unter Abacavir/Lamivudin vs. Tenofovir/Emtricitabin die Viruslast bei 90% vs 87% der Patienten mit <100.000 Kopien/ml zu Baseline sowie 87% vs 90% mit = 100,000 Kopien/ml unter der Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml. Die Verträglichkeit war ebenfalls vergleichbar.

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