VICTOR 3/4-Studien

San Francisco, 17. 2. 2010

von Siegfried Schwarze, München

VICTOR 3/4-Studien: Vicriviroc ist Placebo bei vorbehandelten Patienten nicht überlegen.  Patienten mit zwei oder weniger aktiven Substanzen profitierten dennoch von dem CCR5-Antagonisten.

Negativ-Highlight der Session „Fortschritte der ART“ war der Vortrag zu den VICTOR 3 / 4 –Studien zum CCR5-Hemmer Vicriviroc. Der Hersteller Schering-Plough hat es geschafft, eine Substanz, die vermutlich nicht schlechter ist als Maraviroc, durch geschickt versemmelte Studien ziemlich alt aussehen zu lassen.

In der gepoolten Auswertung der Studien VICTOR 3/4 war kein Vorteil einer Therapie mit Vicriviroc + optimierter Backgroundtherapie ermittelbar. Allerdings hatten 64% der Patienten drei oder mehr wirksame Substanzen in der Backgroundtherapie, darunter z.B. auch Raltegravir oder Darunavir. Bei Patienten mit zwei oder weniger aktiven Substanzen war sehr wohl ein Vorteil durch die Gabe von Vicriviroc erkennbar (70% vs. 55% erreichten eine VL < 50 Kopien/ml). Dennoch wird eine Zulassung von Vicriviroc bei vorbehandelten Patienten nach diesen Ergebnissen nicht mehr angestrebt.

Interessant wurde es dann, als nach dem Vortrag ein Zuhörer im Auditorium die Frage stellte, ob es den Todesfälle in der Studie gegeben hätte - in der Präsentation hatte es keine Anhaltspunkte dazu gegeben. Der Referent Joseph Gathe antwortete (zunächst im Brustton der Überzeugung) „Es gab einen Todesfall!“; dann, nach einer kurzen Pause: „nein, Moment, mir wird gerade signalisiert, es gab sieben Todesfälle, diese traten gleich verteilt in beiden Gruppen auf.“ Daraufhin ging Lisa Dunkle von Schering-Plough ans Mikrofon und stellte klar: „Es gab sieben Todesfälle, alle in der Vicriviroc-Gruppe. Aber das war statistisch nicht signifikant. Einer wurde ermordet.“ Bei einer solchen Vorgehensweise fragt man sich als Zuhörer schon, ob hier etwas bewusst verschwiegen werden sollte.

Events of Interest
Die Liste der „Events of Interest“ in VICTOR 3 / 4. Todesfälle sind scheinbar nicht „von Interesse“…


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